Noch heute wächst in den Bergregenwäldern der äthiopischen Provinz Kaffa, der Urheimat des Kaffees, wilder Coffea Arabica in einzigartiger Vielfalt und von unvergleichlicher Qualität. Ohne Plantage, gänzlich natürlich und pur.
Kaffee - einfach nur eines der
vielen Konsumgüter, die wir tagtäglich ohne grosse Beachtung zu uns nehmen?
Oder steckt hinter dem schwarzen Getränk doch mehr für die heutige Jugend?
Exemplarisch möchte ich euch
im Folgenden einen kleinen Einblick in meinen eigenen „Kaffee-Alltag“ bieten - ich
heisst dabei Jana, 21 Jahre alt, die als Norddeutsche nach Luzern kam, um hier
an der Universität zu studieren und nun den wohl besten Wochenendjob der Welt
hat!
Konfrontiert mit der Frage,
was genau Kaffee für mich bedeute, gerate ich ins Schwanken. Meine Gedanken
schwirren um eine Vielzahl an Situationen, die ich damit verbinde.
„Kaffee mit Milch oder
Zucker?“ - „Nein, danke, nur schwarz.“. Definitiv ein Dialog, der wohl nicht
nur mir in den Sinn kommen dürfte. Damit beginnt nicht all zu selten das
Kaffeeerlebnis, sei es in einem Café oder bei Bekannten, die die eigenen
Trinkgewohnheiten nicht ohne Nachfrage zu bestimmen vermögen.
Aber was ist es abgesehen
davon? Geniesst das Alltagsgetränk eigentlich noch eine angemessene Bedeutung?
Ich merke, dass ich mir selbst
häufig zu wenig Zeit dafür nehme. Für ein eigenständig zubereitetes Mahl setze
ich mich hin, plane es regelrecht ein, dass die Mahlzeit gemütlich eingenommen
werden kann. Aber für das Kaffeetrinken? Selten, doch eher „kurz zwischendurch“.
Die letzte Univorlesung ist geschafft, bevor es zur Arbeit oder zum Sport geht,
trinke ich noch schnell eine Tasse. Abends treffen wir uns noch mit Kollegen,
da suche ich die Kaffeemaschine kurz vor dem Verlassen des Hauses noch auf.
Alles Situationen, in denen ich mich oft nicht mal hinsetze, um den Kaffee zu
mir zu nehmen.
Andererseits verkörpert Kaffee
für mich ein absolutes Gesellschaftsgetränk: sei es morgens am Frühstückstisch
mit meinen WG-Mitbewohnern, eine Verabredung am Nachmittag, bei der ich nur zu
gern ein Café aufsuche, traditionelle Geburtstagskaffees mit der Familie oder
Spontanbesuche bei Kollegen, wo die Frage „Darf ich dir vielleicht einen Kaffee
anbieten?“ quasi direkt nach „Hey, lange nicht gesehen - komm‘ doch rein!“ folgt.
Unzählige Stunden habe ich
bereits damit verbracht, einen Kaffee in Begleitung guter Freunde zu trinken -
was häufig auch nicht nur bei einem blieb, man könnte meinen, die Gesellschaft
erhöhe den eigenen Kaffeekonsum. In meinem Falle zieht die Ausrede nicht, ich
liebe es beispielsweise genauso sehr, das Heissgetränk in kompletter Ruhe
allein zu mir zu nehmen. Am Wochenende gibt es für mich nichts Schöneres, als
die Zeit zu haben, zunächst lediglich einen Gang zu Kaffeemaschine zu tätigen,
den Kaffee zu geniessen und erst zwei Stunden später das Frühstück
zuzubereiten. Und auch wenn ich weiss, dass das Getränk keinerlei realen
Einfluss auf meinen Gemütszustand haben dürfte -ich habe dennoch das Gefühl, dass ich dem Tag
doch deutlich optimistischer begegne, nachdem ich vorher das Kaffeeerlebnis
erfahren durfte!
Aus diesem Grunde ist es für
ein riesiger Glücksfall gewesen, dass ich die Kaffa-Werkstatt als Aushilfe
unterstützen darf; denn wie könnte das Kaffeeerlebnis echter sein als mit
erlesenem, ökologischen Wildkaffee aus Äthiopien, der auch noch handeigen hier
vor Ort liebevoll geröstet wird? Da steht es ausser Frage, dass es sich
definitiv lohnt, sich bewusst eine Auszeit aus dem Alltag zu nehmen - eine
Auszeit, die einfacher nicht sein könnte und doch eine so grosse Bedeutung
aufweist!
Äthiopien war lange Zeit ein Geheimtipp unter Globetrottern, eine Traumdestination, nicht nur für Kafficionados. Die Neuigkeiten, die uns in letzter Zeit aber erreichen sind nicht sehr berauschend. Unruhen und Gewalt vermischen sich mit Dürre und Hungersnot. Seit dem Ende des 17jährigen Bürgerkrieges und dem Sturz des kommunistischen Militärregimes 1991 blieb es in diesem Land recht ruhig, das Zusammenleben von Muslimen und Christen verlief relativ reibungslos und auch ethnische Konflikte wie in den Nachbarländern Somalia und Sudan schienen unter Kontrolle zu sein. Droht der rasante Umbau vom Agrar- zum Industriestaat, der einzig ökonomischen Kriterien unterliegt, zu scheitern, das Land in ein Chaos zu stürzen, wie es viele afrikanische Länder kennen oder schafft die Regierung es, das Land zu einem echten Vorbild für den Kontinent zu wandeln?
Als ein dem Land ziemlich eng verbundenes Unternehmen hoffen wir natürlich Zweiteres, beobachten aber mit einer gewissen Besorgnis die aktuelle Entwicklung. Wenn eine ethnische Minderheit ein Land regiert und in raschem Tempo und mit Hilfe ausländischer Investoren ein Agrarland in die Moderne und an die Spitze des Kontinents katapultieren möchte, birgt das natürlicherweise gewissen Zündstoff. Äthiopien ist mit über 100 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt, das hohe jährliche Bevölkerungswachstum von knapp drei Prozent und die in vielen Landesteilen dieses Vielvölkerstaates noch gänzlich fehlende Infrastruktur stellt die seit 1991 an der Macht stehende Rebellenallianz vor schwierige Aufgaben.
Der Wunsch, nach über 3'000-jähriger Unabhängigkeit weiterhing - zumindest energietechnisch - unabhängig zu bleiben ist nachvollziehbar. Mit dem Bau des grössten Wasserkraftwerk Afrikas soll eines der ärmsten Länder der Welt zum grössten Energielieferant des Kontinents werden. Der Grosse Renaissance-Staudamm ist ein Prestigeprojekt, welches aber nicht nur Begeisterungsstürme auslöst. Der gewonnene Strom soll einerseits wichtige Devisen bringen, andererseits soll er auch Äthiopiens Eisenbahn antreiben deren Ausbau genauso energisch vorangetrieben wird wie der Ausbau des Strassennetzes. Viele der dafür benötigten finanziellen Mittel kommen aus China. Und mit dem Geld kommen auch Investoren. Agrarkonzerne aus dem Reich der Mitte, aus Indien, Südkorea und dem nahen Osten brauchen Platz für die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln und Blumen. Da die Eigentumsverhältnisse in den wenigsten Fällen offiziell registriert sind, gibt es nebst Landverkauf an ausländische Investoren deshalb auch Landraub und Zwangsumsiedlungen, wobei oft die archaischen Strukturen und die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien zerstört wird. 80% des Exporterlöses stammen aus der Landwirtschaft, wobei der Kaffee das wichtigeste Exportgut Äthiopiens ist.
Das dieser Wandel in einem äusserst armen (30% der Bevölkerung lebt von weniger als 1.25 $ pro Tag) und ländlich geprägten Staat nicht reibungslos verläuft versteht sich von selbst. Vor einem Jahr, im November 2015 begannen die ersten Unruhen als die in der Zwischenzeit ohne jegliche Opposition agierende Regierung neue Bauprojekte rund um die Hauptstadt Addis Abeba ankündigte. Bis im Oktober 2016 wurden rund 2'500 Festnahmen vermeldet, seit der Verhängung des Ausnahmezustandes stieg die Zahl sprunghaft auf über 11'000 Personen an. Die Lage scheint sich etwas zuzuspitzen und auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten mahnt zu Vorsicht bei Reisen in Äthiopien.
Mit unserer Tätigkeit in der Region Kaffa im Südwesten des Landes unterstützen wir die kleinbäuerlichen Strukturen, stärken die lokale Ökonomie und tragen so zu einer massvollen und nachhaltigen ökonomischen Entwicklung bei. Indem wir dem Regenwald einen wirtschaftlichen Wert geben schützen wir ihn vor der Abholzung. Er ist nicht nur die Wiege des Kaffees und als einziger Genpool des Coffea Arabica von unschätzbarem Wert, er ist auch Biosphärenreservat, wichtiger Klimaregulator, und - last but not least - ein nicht unwesentlicher Bestandteil unseres Geschäftes, aussergewöhnlichen und exklusiven Arabica aus zertifizierter Bio-Wildsammlung einzukaufen, zu rösten und Menschen anzubieten, die nicht nur Wert auf Geschmack legen, sondern auch auf Augenhöhe mit den Bauern ihren Kaffee geniessen möchten.
Wir wünschen uns sehr, dass die Regierung nicht auf Konfrontationskurs geht, sondern ein offenes Ohr hat für die Anliegen der durch die Modernisierung benachteiligten Bevölkerung, dass sie bereit ist, notwendige Reformen anzupacken und so zu einem echten Vorbild für alle anderen afrikanischen Staaten zu werden. Ein Land, das sein unheimlich reiches kulturelles Erbe nicht in Unruhen und Terror, unterstützt durch ausländische Kriegsprofiteure, untergehen lässt, sondern als stolze und geeinte Nation Heimat ist für viele Ethnien und so beweist, dass die Wiege des modernen Menschen auch ein Beispiel für friedliches Zusammenleben, nachhaltige Entwicklung und weisen Fortschritt ist.
Was gibt es Schöneres, wenn es draussen kalt ist, als sich in die warme Stube zu setzen und den Geschichten zu lauschen, die Grossvater auf dem Ofenbänkli sitzend und an seiner Pfeife schmauchend so gerne erzählt. Draussen ist es dunkel und man fühlt sich geborgen in der guten Stube. Die Katze schnurrt behaglich und der Hund wackelt im Schlaf mit den Ohren. Geschichten gehören zum Kulturgut eines Volkes, sie machen einen Teil der Identität aus. Und Kultur muss gepflegt werden. Dazu braucht es Zeit. Uns scheint, dass für viele von uns das Zeit haben und Zeit nehmen - und sei es auch nur um einen Kaffee zu geniessen - je länger je schwieriger wird. Und wenn wir es der Natur nachmachen würden und das Leben im Winter etwas ruhiger nähmen?
Geschichten gibt es überall auf der Welt, so auch in der äthiopischen Region Kaffa. Während wir uns hier - zumindest viele von uns - Schnee wünschen, wünscht man sich auf dem afrikanischen Kontinent oft Regen. In der folgenden Geschichte kann ein Prinz helfen. Vielleicht bräuchten wir einen Schneeprinzen?
Der Regenprinz Es war einmal, vor langer, langer Zeit, da lebte in einer Hütte, zuhinterst im äthiopischen Wald, wo sich fast nie eine Menschenseele verirrte, ein Mann mit seinem Sohn. Früher mal hatte der Mann eine Ehefrau, diese war aber bei der Geburt ihres ersten Sohnes gestorben. Sein Kummer war so gross, dass er sich entschied, nicht mehr unter den Menschen zu leben. Er wollte alleine mit seinem Kummer und seinem Sohn Devi sein. Eines Morgens drang er deshalb tief in den Urwald und baute eine einfache Hütte. Devi wuchs ohne andere Kinder auf. Sein Vater brachte ihm alles bei, was es zum Leben brauchte: laufen, reden, jagen und fischen, aber leider traf Devi dabei keine andere Menschenseele. In diesem verlorenen Winkel des Waldes sah er höchstens mal in weiter Ferne einen verirrten Wanderer. Glücklicherweise verstanden sich Vater und Sohn gut. Der Vater von Devi war ein gutmütiger und sanfter Mann der seinen Sohn sehr liebte. Er war auch sehr stolz auf ihn, denn aus dem Jungen wurde ein ausgesprochen schöner, junger Mann der mit Leichtigkeit alles verinnerlichte, was sein Vater ihm beibrachte. Im Jahr in dem Devi 18 Jahre alt wurde brach eine schlimme Dürre über das nachbarliche Königreich. Seit über einem Jahr schon war kein Regen mehr gefallen und alle Menschen fingen an, sich ernstlich Sorgen zu machen. Die Bauern beklagten sich über ihre trockenen Felder und das Wasser im Fluss reichte nicht mehr, um den Durst aller Bewohner, der Tiere und der Felder zu stillen. Die Hungersnot würde nicht lange auf sich warten lassen und das ganze Land knechten. Der König war hoffnungslos. Er hatte mehrere Weise rufen lassen, um ihn zu beraten. Der eine sagte:
Verabredet haben wir uns nicht in Addis Abeba und auch nicht in Dire Dawa sondern in Winterthur. Dort, gleich hinter dem Bahnhof trinken wir einen Kaffee mit Kurt Pfister, Gründer und Stiftungsratpräsident von Green Ethiopia. Nicht "Hilfe zur Selbsthilfe" sondern "Hilfe zur Selbstentwicklung" ist das Leitmotiv mit dem seit fünzehn Jahren in verschiedenen Regionen Äthiopiens Entwicklunshilfe geleistet wird. Dabei werden nicht, wie bei vielen anderen Hilfsprojekten, einfach Hilfslieferungen gesandt, Brunnen oder Schulen gebaut und die Menschen dann damit allein gelassen. Green Ethiopia packt das Übel an der Wurzel an. Armut und Landflucht enstehen vor allem dort, wo die ganzen Regenwälder abgeholzt wurden. Mit der Folge, dass Quellen versiegen und fruchtbarer Boden weggeschwemmt wurde. Und genau dort setzt die Hilfe von Green Ethiopia an.
Warum gerade Äthiopien wollten wir von Kurt Pfister wissen. "Vor fünfzehn Jahren kam ich das erste Mal nach Äthiopien. Am Übergang zu meiner Teilpensionierung. Ich habe das ganze Leben lang für die Migros gearbeitet. Die letzten acht Jahre nicht mehr in Vollzeit, da war ich Präsident der Delegiertenversammlung, das war nur etwa eine 40%-Aufgabe. Und dann wurde ich von einem Freund angefragt, der dort unten Kastanienbäume anpflanzen wollte, er meinte, ich sei der rechte Mann für dieses Projekt. Ich bin dann mit ihm das erste Mal nach Äthiopien gereist und habe gesehen, dass das völliger Mist ist, dort Kastanienbäume pflanzen zu wollen. Der Kastanienbaum ist ein wunderbarer Baum aber der soll dort leben wo er zu Hause ist und nicht in einem fremden Land. Aber auf den Reisen mit ihm habe ich das Land ein wenig kennen gelernt, habe die Armut gesehen, habe vor allem die Erosion gesehen, wie sie wertvolles Kulturland kaputt macht und bin dann ein paar Monate später mit meiner Frau und unserem jüngeren Sohn für drei Wochen im Land rumgereist. Dort haben wir uns entschieden, wir möchten etwas machen für dieses Land. Wir sind dann nach Hause und haben die Stiftung gegründet."
Kurt Pfister mit seiner Ehefrau und ihren zwei Söhnen
Wenn Kurt Pfister etwas anpackt, dann macht er es richtig. Im selben Jahr noch liefert er bereits erste Wasserpumpen, ein Jahr später fing die erste Aufforstung an. Mit Bäumen aus eigener Setzlingsproduktion wird aufgeforstet und wo Wald entsteht gibt es auch wieder Wasser, denn Waldboden ist einer der besten Wasserspeicher. Wo es Wasser gibt, kann Nahrung angebaut werden und wo es Nahrung gibt, gibt es Leben. Die Menschen sind sehr verbunden mit ihrer Region und wenn sie dort eine Lebensgrundlage finden, gibt es für sie keinen trifftigen Grund wegzuziehen. Eine bestechende Idee, die Durchführung in einem Land anderer Kultur umzusetzen ist aber doch eine ziemliche Herausforderung. Zudem ist die Stiftung nur in abgelegenen, armen Gebieten tätig, nicht entlang der Hauptstrassen wo alle anderen NGO's bereits Hilfe leisten.
Es braucht drei Vorraussetzungen damit Green Ethiopia tätig wird. Erstens muss das Gebiet bereits durch schwere Erosion geschädigt sein. Zweitens müssen die lokalen Bauern und staatlichen Büros eine Zusammenarbeit wollen und drittens müssen die Bauern das Land abgeben, das heisst, dass es Gemeindeland wird und sie müssen auch bereit sein Freiwilligenarbeit zu leisten. Pfister bekommt viele Anfragen, Land wieder aufzuforsten und stellt dann immer die Gegenfrage, was denn der Beitrag sei, den die Antragsteller bereit seien zu leisten. Wenn man sich einig wird, wird vertraglich geregelt wer was macht, dass die Aufforstungsgebiete fünf Jahre lang geschützt werden müssen (d.h. dass keine Ziegen oder Kühe dort weiden dürfen), dass 90% der Bäume typische Sorten der Region sein müssen und dass die restlichen 10% mit Eukalyptusbäumen bestellt werden dürfen um den Bedarf an Bau- und Feuerholz zu decken. Es ist für alle Beteiligten sehr motivierend in einem aufgeforsteten Gebiet wieder
Hirsche zu sehen oder Berichte zu lesen, wie sehr die Artenvielfalt
wieder zugenommen habe.
Nebst den Aufforstungsprojekten gibt es auch Schulprojekte. Dabei werden die Kinder für die Wichtigkeit des Waldes sensibilisiert. Green Ethiopia investiert hier weniger in die Infrastruktur als in den Naturkundeunterricht. Nebst dem theoretischen Teil gibt es da jeweils auch eine kleine Baumschule oder einen Fruchtbaumgarten zu pflegen und konrekt zu erleben, welchen Einfluss ein Baum auf das Ökosystem haben kann. Es gibt wohl nichts Wertvolleres und Nachhaltigeres in Bezug auf Natur
um Umwelt, als den segensreichen Kreislauf
„Bäume-Wälder-Wasser-Nahrung-Leben“ schon Kindern auf eindrückliche Art
zu vermitteln.
Es gibt sehr viele alleinerziehende Mütter in diesen armen Gegenden, sei es weil der Mann an AIDS oder anderen Krankheiten gestorben ist, sei es, weil er Addis Abeba oder in eine andere Grossstadt zog um dort als Taxifahrer Geld zu verdienen. Aber sobald die Menschen wieder eine Zukunft sehen in den Gebieten, aus denen sie stammen, kommen sie zurück zu ihren Wurzeln. Es ist für mich auch immer wieder eines der schönsten Erlebnisse wenn Frauen mit Kindern mir freudestrahlend erzählen, ihr Mann sei nach Jahren wieder zurückgekehrt sagt Pfister. Besonders leidtragende sind die Frauen, auf denen zu viele Pflichten
lasten und bei denen die Grenzen des Zumutbaren – nach unseren
Massstäben – oft überschritten wird. Um solchen armen Bauernfamilien
einen Weg aus der Misere zu bieten, unterstützen wir ausgewählte arme Bauernfamilien
mit der Finanzierung von Saatgut, mit der Spende von Ochsen, mit
Hühnern und Schafen, sowie mit der Lieferung von Wasserpumpen an
Bauerngruppen. Frauen unterstützen wir zusätzlich aus humanitären Gründen mit der Spende von Eseln,
um sie vom Tragen schwerer Lasten zu entlasten. Viele Frauen generieren
etwas Einkommen mit Transportdienstleistungen und Mädchen gewinnen Zeit
zur Schule zu gehen statt lange Wasser zu tragen. Dies ist eine Einmalhilfe die es ihnen ermöglichen soll, sich selbst aus der Armut zu befreien. Was Pfister auch gefreut hat zu sehen war die Tatsache, dass bei
einem Projekt, bei dem am Anfang um jeden Sack Zement fast gebettelt
wurde, später der Bewässerungskanal aus Eigeninitiative um 500 Meter
verlängert wurde mit Zement, der dank guter Erträge gekauft werden
konnte.
Die Stiftung zahlt im Moment für rund 1'000 Frauen ein Salär. Dann sind die Polyethylen-Säcke, die Kunststoffsäcke in denen die Bäume gezogen werden, relativ teuer. Das Material das gebraucht wird um die Setzlinge zu ziehen und die Löhne, das bezahlen wir. Für das hat der Staat kein Budget. Der hat andere Prioritäten. Aber wir unterstützen jedes Projekt nur einmal. Die Leute müssen also unabhängig werden. Nach der Aufforstung finanzieren wir auch Bienenkästen und es gibt Fälle von Nachfinanzierungen wenn das z.B. das Wetter besonders trocken war erklärt Pfister. Zur Vermarktung stellt die Stiftung keine Hilfe zur Verfügung. Beim Honig zum Beispiel sagen wir den Menschen, der sei zuerst für ihre eigenen Kinder. Es gibt tausende von Frauen, die verkaufen ein paar überzählige Tomaten, Rüebli oder Zwiebeln auf dem Markt. Aber richtig in die Vermarktung von Honig oder Kaffee, den wir auch angepflanzt haben, das möchten wir nicht, das ist nicht unser Geschäft. Wenn wir Türen aufmachen können machen wir das natürlich aber gerne. Was sind faire Löhne? Die Stiftung zahlt lokale Löhne, aber eher gute, pro Tag 1 Dollar für ungelernte Arbeitskräfte. Das heisst aber nicht, dass wir mit dem Portemonnaie dorthin fahren und das Geld verteilen. Das sind lokale Landwirtschafts/Finanzbüros von den Behörden, die auch streng kontrollieren, und von uns kontrolliert werden. Wir stellen aber auch fest, dass die Teuerung zum Teil massiv steigt und da passen wir die Löhne dann an. Zum Einen sicher durch die Entwicklung, zum Anderen aber wissen wir nicht, ob das auch auf Lebensmittelspekulation zurückzuführen ist. Äthiopien ist zu rund 80% direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig. Wenn ein Sack Teff, das ist eine typisch äthiopische Getreideart, plötzlich doppelt so viel kostet stellen wir uns natürlich schon Fragen ...
Das Bild des faulen Afrikaners gibt es in Äthiopien nicht. Kurt Pfister ist im Gegenteil tief beeindruckt vom Arbeitswillen der Leute. Natürlich liegt aber die Hauptlast der Arbeit bei der Frau. Das ist kulturell so. Der Mann ist für das Feld und das Vieh verantwortlich, den Rest erledigt die Frau. Und ganz sicher gibt es auch Korruption, besonders an staatlichen Stellen und Entwicklungsgelder fliessen dann manchmal in die falschen Hände. "Wir wollen und brauchen nichts vom Staat" erklärt Kurt Pfister "deshalb sind wir auch nicht korrumpierbar. Wir respektieren auch ihr Wissen und ihre Kultur, wir massen uns nie an, unsere Ideen, unsere Erfahrungen seien besser. Eine Gemeinde hat einmal ein Tropf-Bewässerungssystem aus Israel als Entwicklungshilfe erhalten. Die Fässer und Schläuche rotten heute noch vor sich hin weil niemand das System kennt und anzuwenden weiss. Die selbstgebauten Kanäle aber funktionieren bestens und können auch selbst instand gehalten werden. Auch ich musste mich schon belehren lassen weil ich dachte, ein Metallpflug sei effektiver als ihr Holzpflug. Wir haben auch probiert den Leuten Solarkocher schmackhaft zu machen. Aber in Äthiopien ist es Tradition, den Tag auf dem Feld zu verbringen und am Abend wenn es dunkel ist zu kochen. Dann braucht es Batterien. Das ist dann schon wieder mehr (oder zuviel) Technologie. Solarlampen sind soweit erfolgreich, aber das Land wird immer mehr elektrifiziert und die Leute freuen sich dann über den Strom und sind stolz auf ihre elektrischen Lampen." Was von Green Ethiopia gefördert wird sind holzsparende
Öfen. Das sind Öfen die in Äthiopien selbst konzipiert wurden und Ideen,
die sozusagen auf eigenem Mist gewachsen sind haben viel mehr Chancen
sich zu verbreiten als wenn wir Europäer mit etwas kommen.
Natürlich gibt es auch Rückschläge. Wenn zum Beispiel ein Wald
brennt wegen Blitzeinschlag oder wenn der Jungwald von Ziegen gefressen
wird, weil die Bauern wegen Futtermangel die Tiere im Aufforstungsgebiet
weiden liessen. Futtermangel ist deshalb jedesmal ein Thema bei den
Gesprächen vor Ort und die Stiftung finanziert dann auch mal 50
Eselladungen Heu, zum Schutz des Jungwaldes.
Was motiviert Sie, Herr Pfister, jeden Morgen aufzustehen und Vollgas zu geben? Der Erfolg, der Erfolg, und das die Menschen wieder strahlen, wieder zu essen haben, etwas zum Leben haben. Ich habe soviel Armut, bittere Armut gesehen, und wenn nach ein paar Jahren die Frauen strahlen, die Männer strahlen, uns stolz ihr Gemüse zeigen.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?Bei den fünf Millionen Bäumen bleiben zu können die wir jetzt jedes Jahr pflanzen und genug Geldmittel dafür auftreiben zu können. Dazu brauchen wir jedes Jahr eine Million Schweizer Franken, diese zu beschaffen ist nicht ganz einfach... Unser grösster Unterstützer in den letzten vier Jahren war die Fondation Yves Rocher. Das Ziel der Fondation war es 50 Millionen Bäume zu pflanzen. Das Ziel wurde nun erreicht und wir durften mit 17 Millionen einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Die Fondation hat etwa ein Drittel unseres Budgets getragen. Erst kürzlich erhielten wir die frohe Botschaft dass und die Fondation noch weitere drei Jahre unterstützt. In den nächsten Tagen versenden wir rund 1'600 Brochuren mit Briefen, so kommen jeweils noch, je nach Jahr, 300' - 400'000.- Franken zusammen. Und dann ist es halt wie überall harte Knochenarbeit. Auch Kirchgemeinden zahlen uns Kollekten. Bisher wurde die ganze Stiftungsarbeit durch Freiwilligenarbeit getragen. Ab nächstem Jahr gibt es für den Geschäftsführer ein bescheidenes Gehalt.
Sein Engagement kommt nicht von ungefähr. Bereits 1989, als der rumänische Diktator Ceausescu gestürzt wurde, war Pfister aktiv in der Kirchenpflege und sammelte Lebensmittel, Decken und andere Hilfsmittel sowie Medikamente welche er während fünf Jahren mit den berühmten Migros-Verkaufswagen nach Rumänien brachte. Wenn man so mit Kurt Pfister einen Kaffee trinkt, das Feuer spürt, dass diesen Mann antreibt und einen kleinen Einblick in sein Leben erhält dann lässt es einen an das Gute im Menschen glauben. Wir vermuten, die 15 von Adele und Gottlieb Duttweiler aufgestellten Thesen begleiten diesen Mann schon sein Leben lang.
Wo Kaffa Wildkaffee bestehenden Regenwald schützt leistet die Green Ethiopia Stiftung enorm wertvolle Arbeit beim Wiederaufforsten des bereits zerstörten Waldes. Wo unser Herz für Kaffee schlägt schlägt das Herz von Kurt Pfister für Äthiopien, ein wunderschönes Land. Aus seiner Gedankensammlung zitieren wir als Absschluss dieses Gespräches folgenden Leitsatz, der wohl sein wie unser Engagement bestens untermauert:
Nebelschwaden hängen über den Hügelketten des Kaffa Bergregenwaldes, die Sonne steht als leuchtender Ball am Horizont, mächtige Wolkengebilde wälzen sich in der Abendstimmung, dann bricht, schneller als erwartet, die Nacht über Bonga ein. Das ist mein Glücksmoment, an meinem Lieblingsplätzchen, auf der Veranda das KDA Guesthouses in Bonga.
Es ist der 12. Februar und ich bin, zusammen mit meinen Reisebegleitern, am Vortag von Addis Abeba nach einer 10-stündigen Autofahrt in Bonga, der Hauptstadt der Provinz Kaffa, angekommen. Bereits haben wir den ersten eindrücklichen Tag in der Urheimat des Coffea Arabica verbracht und die Kaffeebauern von Kuti besucht. Über einen Trampelpfad führen sie uns in den nahen Bergregenwald und zeigen uns ihren ganzen Stolz. Unzählige wilde Kaffeesträucher im dichten Unterholz des Regenwaldes, überdacht von Baumriesen wie Birbera, Buto oder Milittia wie die Bäume in der Kaffiña-Sprache heissen. Wir drängen immer weiter in den Wald, der Pfad wird schmäler und schmäler und bald ist, für uns ungeübte Waldgänger, fast kein Durchkommen mehr. In der Core-Area, dem Herzstück des Kaffa Biosphären-Reservates ist der Regenwald so dicht, dass man sich zwischen unzähligen Ästen, Gestäude und Schlingen durchkämpfen muss. Dieser Teil des Regenwaldes ist die eigentliche Schutzzone, nur die Kaffeebauern dürfen sie zum Sammeln von Wildkaffee betreten.
Die Nächte brechen früh ein in Bonga, dafür entschädigt ein einmaliges Sternenmeer am afrikanischen Nachthimmel und eine schier unglaubliche Ruhe, die nur durch die Rufe und das gelegentliche Gezanke einiger Affen gestört wird…. Wäre da nicht allnächtlich, zumindest an Fasten-, Feier- und Sonntagen (eines davon trifft fast immer zu), ab 2 Uhr früh bis in die späten Morgenstunden der über Lautsprecher übertragene Singsang des Priesters von der nahen orthodoxen Kirche, der einem den Schlaf raubt!
Eine kurvenreiche Strasse, beidseitig von weitem Regenwald gesäumt, vorbei an den in der Morgensonne glänzenden Teefeldern von Wushwush gelangen wir nach Yeyibito. Unter einem riesigen, uralten Aningeriabaum werden wir von Kooperativen-Mitgliedern herzlich empfangen. Der Baum sei schon gross und alt gewesen, als er noch ein Kind war und auch als sein Vater und sein Grossvater noch klein waren, wäre der Baum schon da gestanden, erzählt uns ein alter Mann.
Der Weg in die Kaffeewälder von Yeyibito führt vorerst über Felder und Wiesen, die nach der langen Trockenzeit karge und dürr sind und kaum noch Nahrung für die Tiere liefern. Um das Wasser der kommenden Regenzeit aufzufangen, haben die Bauern auf den Feldern Gräben ausgehoben. So kann die neue Saat besser spriessen und die Felder werden vor Erosion geschützt.
Yeyibito hat etwas mystisches, nicht nur der uralte Baum auf dem Dorfplatz umrandet von einfachen Hütten, auch der Regenwald mit den dicht mit Moos bewachsenen Kaffeesträuchern wirkt wie aus einer anderen Welt, fast meint man Nymphen und Feen in dem von vielem Grün geprägten Blätterwerk zu entdecken. Dass hier ein einzigartiger Kaffee gedeiht, daran lässt sich nicht zweifeln.
Vom Ertrag seiner 1.5ha Regenwald, den er zum Kaffeesammeln nutzen darf, kann Haile Tadesse all seine Ausgaben während eines Jahres bestreiten und noch etwas für Anschaffungen beiseite legen. Die 6-köpfige Familie besitzt seit kurzem ein neues Haus mit Blechdach und zwei Zimmern, für unsere Verhältnisse immer noch kärglich - ohne Wasser, Strom und einem Lehmboden auf dem ein paar wenige einfache Holzmöbel stehen. 10 Bienenstöcke mit Wildbienenvölkern, 4 Rinder sowie ein Ochse sind ebenfalls ihr Besitz.
Haile Tadesse und seine Familie sind stolz auf das, was sie erreicht haben, und auch dankbar für das, was die Natur ihnen schenkt. Den Wald als Naturschatz für seine Kinder und Kindeskinder zu erhalten, ist für Haile Tadesse, wie auch für die vielen anderen Kaffeebauern von Kaffa zur Lebensaufgabe geworden.
Zurück auf der Veranda des KDA Guesthouses in Bonga denke ich lange über seine Worte nach. Wieder steht die Sonne tief am Horizont, doch heute beherrschen dunkle Gewitterwolken die Abendstimmung, dumpfes Donnergerolle ertönt über den bewaldeten Hügelketten, und dann fallen, kurz bevor die Nacht einbricht, die ersten, schweren Regentropfen. Die Trockenzeit ist vorbei und der Kreislauf der Natur nimmt von neuem seinen Lauf.
Lassen auch Sie sich verzaubern von der Natur, die langsam erwacht, den ersten Schneeglöckchen, die zaghaft aus dem noch kalten Winterboden spriessen. Setzen Sie sich in die warme Frühlingssonne an ihren Lieblingsplatz auf der Veranda oder im Garten und finden Sie ihren Glücksmoment, abseits von Hektik, Lärm und Alltagssorgen. Eine Tasse Kaffa Wildkaffee gehört zum perfekten Glücksmoment natürlich auch dazu. Damit verwöhnen Sie nicht nur Ihren Gaumen sondern helfen Haile Tadesse und vielen weiteren Wildkaffee-Bauern in Kaffa, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Dass Wildkaffee mit Abstand der ökologischste Kaffee ist den es überhaupt gibt, ist in der Zwischenzeit allgemein anerkannt (siehe auch "Wie nachhaltig ist Kaffee eigentlich?"). Und im Gegensatz zum Plantagenkaffee schützt der Kaffee aus Wildsammlung auch gleich noch den fürs Klima und die Biodiversität wichtigen tropischen Regenwald. Jetzt endlich sollen auch die Produktionsabfälle zum Waldschutz beitragen. Durch die Herstellung von Biokohle, die auch als Dünger eingesetzt werden kann soll der Naturkreislauf gänzlich geschlossen werden.
So verschwenderisch die Natur auch sein mag, Abfälle kennt sie nicht. Alles was nicht mehr gebraucht wird stirbt und dient als Nahrung für andere Organismen. Beim Schälen der sonnengetrockneten Kaffeekirschen jedoch fallen jährlich 500 Tonnen Abfälle an – die ungenutzt verrotten. Was tun damit? Seit September entwickelt die Arbeitsgemeinschaft mit der Schweizer Initiative „Bonnepomme“ und weiteren Partnern wie "GEO schützt den Regenwald" spezielle Kochöfen, die mittels Pyrolyse die schwer brennbaren Abfälle nutzen. Dabei wird der Brennprozess so gesteuert, dass aus den Schalen stammendes Gas verbrennt, während das Pflanzenmaterial selbst verkohlt. Die Kohle kann wieder zum Kochen oder als Dünger genutzt werden.
Im vom Weinhändler Delinat gegründeten Ithaka Institut im Wallis wird seit mehreren Jahren an der Pflanzenkohle geforscht, mit äusserst vielversprechenden Resultaten. Pflanzenkohle mag einer der ältesten Bodenverbesserer der Menschheitsgeschichte sein, in der Wissenschaftsgeschichte jedoch ist die Erforschung der Pflanzenkohle einer der jüngsten Fachbereiche. In den letzten fünf Jahren hat dieser Forschungsbereich allerdings eine so hoch dynamische Entwicklung genommen, dass derzeit geradezu wöchentlich neue Erkenntnisse veröffentlicht werden. Besonders große Hoffnungen verknüpfen sich mit dem Einsatz der Pflanzenkohle als landwirtschaftlichen Bodenverbesserer.
Hans-Peter Schmidt, Leiter des Instituts, nennt 55 (!) Anwendungsgebiete für Pflanzenkohle. So kann die Pflanzenkohle ins Tierfutter und unter die Einstreu gemischt werden. Der daraus gewonnene Mist bringt dann auch die besten Resultate als Bodenverbesserer. Höhere Produktivität und stärkere, gegen Krankheiten und Schädlinge resistentere Pflanzen sind die Folge. Negative Folgen gibt es, ausser bei falscher Anwendung, keine.
Ingenieur Stephan Gutzwiller hat in Haiti einen Lowtech-Pyrolysekocher mit entwickelt. Nun tüftelt er mit äthiopischen Experten an Varianten des „Kaffa-Kochers“: einem „normalen“ Typ sowie einem speziellen für die Zubereitung der Nationalspeise Injera, großen Sauerteigfladen. Nadine Guthapfel von Bonnepomme ist diese Woche mit dem ersten Prototypen nach Ähtiopien gereist um ihn vor Ort zu testen und mit lokalen Handwerkern und lokalen Materialien nachzubauen. Sind die Prototypen ausgereift, sollen die Öfen dann auch von lokalen Produzenten produziert und verkauft werden. So entstehen Arbeitsplätze. Die bei der Pyrolyse der Kaffeeschalen entstehenden Abgase werden als Kochenergie benutzt und die produzierte Pflanzenkohle wird in den Naturkreislauf zurückgeführt.
Maria Müller, Geschäftsleiterin von Original Food, ist begeistert von diesem Projekt sind ihr doch die teilweise vor sich hin mottenden Kaffeeabfallberge schon länger ein Dorn im Auge. Sie unterstützt deshalb dieses Projekt von ganzen Kräften, nicht nur, weil so der ökologischste Kaffee den es gibt noch ökologischer wird, sondern vor allem hat es ihr der Naturkreislauf angetan. Die Natur beschenkt uns mit wildem Kaffee, wir geben der Natur statt Abfall wertvolle Pflanzenkohle zurück. Ein kleines Dankeschön.
Noch ist das Ziel aber nicht erreicht. Wie immer braucht auch diese Idee finanzielle Mittel. Heute fehlen noch CHF 15'000.- damit das Projekt erfolgreich lanciert werden kann. Die Arbeitsgemeinschaft hat deshalb einen Crowdfundingaktion gestartet die speziell am heutigen Kaffakocher-Tag von vielen Bioläden unterstütz wird, 50% ihres Tagesumsatzes an Kaffa-Produkten gehen als Spende an das Projekt. Machen auch Sie mit, jede Spende zählt. Ein herzliches Dankeschön auch Ihnen schon im voraus.
Ist Ihnen das auch schon passiert? Manchmal gibt es Ideen bei denen man sich fragt, warum man da nicht schon früher darauf gekommen ist. Die sind meist ganz simpel und von einer stupenden Effektivität. Beim Kaffakocher handelt es sich um so eine Idee. "Nichts ist stärker als eine Idee deren Zeit gekommen ist" sagte schon Victor Hugo. Genau deshalb laden wir Sie heute ein das Kaffakocher-Projekt, welches 7 Fliegen auf einen Streich schlägt, besser kennen zu lernen. Und, sollten wir Sie überzeugen, hoffen wir natürlich auch auf Ihre (finanzielle) Unterstützung.
Ein Kocher der 7 Fliegen auf einen Streich schlägt, ist eine enorme Ansage. Schauen wir uns dieses kurze Video an, das uns erklärt, um was es überhaupt geht:
Kurz zusammengefasst geht es darum, dass im äthiopischen Kaffa-Bergregenwald anstelle von wertvollem Holz der trockene, an sich
unbrennbare Kaffeeschalen-Abfall aus der Kaffeeherstellung als
Brennmaterial verwendet werden soll.
Dazu werden vor Ort energieeffiziente Low-Tech Pyrolysekocher
hergestellt. Dadurch können die sonst üblichen rauchigen, offenen
Feuerstellen ersetzt werden. Bei der Entwicklung und
Umsetzung wird eng mit der lokalen Bevölkerung zusammengearbeitet. Schweizer Know-How
wird gepaart mit äthiopischer Erfahrung. Die Kocher werden von lokalen
Handwerkern hergestellt und verkauft. Kleinunternehmertum wird gefördert, Klima und Wald
werden geschont und der Kaffeeabfall sinnvoll genutzt. Vor allem aber
erhalten Frauen zusätzliche Perspektiven und sind mit ihren Kindern auch
nicht mehr dem Rauch der offenen Feuerstellen ausgesetzt. Frauen und
Kinder können gesünder leben.
Schön und gut, aber was genau ist ein Pyrolysekocher? Im Zusammenhang mit der Backofenreinigung haben das Wort sicher schon einige gehört. Es handelt sich bei Pyrolyse bzw. pyrolytischer Zersetzung (von altgriechischπῦρpyr ‚Feuer‘ und λύσιςlýsis ‚(Auf)Lösung‘)um eine thermo-chemische Spaltung organischer Verbindungen, wobei
durch hohe Temperaturen (200–900 °C) ein Bindungsbruch innerhalb großer Moleküle in kleinere erzwungen wird. Soviel zum physikalischen Hintergrund. Für den Laien verständlich gesagt geht es darum, Produkte nicht zu verbrennen sondern zu verkohlen. Der frühere Beruf des Köhlers könnte also auch Pyrolisateur genannt werden. Beim Verkohlen entstehen Gase, diese werden im Pyrolysekocher abgefackelt und als Energiequelle zum Kochen benutzt. Stephan Gutzwiller, der mit seiner Firma Kaskad-E am Projekt beteiligt ist, hat bereits Pyrolysekocher für Haiti entwickelt. Dieses Modell muss nun weiterentwickelt werden, um zum einen die sehr schlecht brennbaren Kaffeeschalen als Abfall zu verkohlen und zum anderen, um den Kocher auf die lokale Küchentradition anzupassen. Die beim Pyrolyseprozess während dem Kochen entstehende Pflanzenkohle wird entweder als Ersatz von Holzkohle für die traditionelle Kaffeezeremonie weiterverwendet oder zusammen mit Kompost oder Tiermist aktiviert (Terra Preta) und als Bodenverbesserer in den Boden eingebracht. Dies ist ein sehr guter Ersatz von chemischem Dünger, er erhöht die Bodenfruchtbarkeit und schliesst so auf wunderbare Art und Weise den Nährstoffkreislauf des Kaffa Wildkaffees.
Nun haben sich vier Personen zu einem Initiantenteam "Kaffakocher" zusammengeschlossen, um dieser Idee Leben einzuhauchen. Seit Monaten arbeiten sie an diesem Projekt und sind nun soweit, dass diese ausgezeichnete Idee realisiert werden könnte. Könnte! Denn es braucht dazu finanzielle Mittel.
Die gesamten Kosten des Pilotprojektes belaufen sich auf 174’000 CHF.
Der Bund unterstützt die Trägerschaft über die Plattform REPIC mit 50%. Weiter
wird sie von Geo schützt den Regenwald unterstützt. Sie selbst und ihre Partner bringen viele Eigenleistungen hinein. Es fehlen noch
50‘000 CHF. Einen Teil davon erhoffen sie sich von weiteren Partnern und
Stiftungen. Und die letzten 30‘000 CHF möchten sie über Crowdfunding
finden. Aber bevor wir Sie, um ihre aktive Mithilfe bitten, möchten wir doch noch kurz auf die 7 Fliegen zurückkommen, die da mit Ihrer Unterstützung auf einen Streich geschlagen werden sollen:
1. Fliege: Kaffeeabfall-Verwertung
Bei der Gewinnung von Kaffee mittels sonnengetrocknetem Verfahren bleibt getrocknete Schale (sogenannte Pulpe, sowie Pergamenthäutchen) als Kaffeeabfall zurück. Diese lagern bei den Verarbeitungsbetrieben meist ungenutzt auf Abfallhaufen. Dadurch, dass die Abfallhaufen nicht mehr vor sich hinmotten sondern in Pflanzenkohle umgewandelt werden wird CO2 reduziert.
2. Fliege: Einkommensmöglichkeiten für Frauen
Mit den Pyrolysekochern können sich Frauen auch als Kleinunternehmerinnen für den Verkauf von Injeras-Sauerteigfladen (Nationalgericht) betätigen. Kostenersparnis für die Nutzer und Zeitersparnis vor allem für Frauen und Mädchen (weniger Holz sammeln und tragen, zeitsparender Kochvorgang), dadurch mehr Zeit für Bildung und einkommensgenerierende Aktivitäten.
3. Fliege: Energieeffizienter Low-Tech-Kocher
Darin werden die Kaffeeschalen entgast und das Gas zum Brennen gebracht. Mit diesem Kocher können rund 65-70 % Energie und viel Brennholz gespart werden.
Lokale Kleinunternehmer produzieren und vermarkten diese Pyrolysekocher. Auch für Annahme und Weiterverkauf der Pflanzenkohle gibt es lokale Kleinunternehmer. Dadurch werden Einkommen generiert.
5. Fliege: Schutz des Regenwaldes als Klimaregulator
In der Provinz Kaffa stehen heute nur noch 200'000 Hektar intakter Bergregenwald und die gesamte Waldfläche Äthiopiens ist von einst 40% auf 2.7% geschrumpft. Die fortgeschrittene Entwaldung führt in weiten Teilen des Landes dazu, dass Holz nur nach Zurücklegen weiter Strecken gesammelt oder zu hohen und stetig weitersteigenden Preisen gekauft werden kann. Durch die Schonung des Waldes als Brennholzlieferant wird CO2 gebunden.
6. Fliege: Ertragssteigerung auf den Feldern
Dank dem Einsatz von Pflanzenkohle kann der Boden verbessert, CO2 gebunden, der Ertrag gesteigert und die Ernährungssituaton verbessert werden.
7. Fliege: Verbesserte Gesundheit der lokalen Bevölkerung
Traditionel wird auf dem Land meist auf offenem Feuer mit drei Steinen gekocht, was in den Hütten eine enorme Rauchentwicklung verursacht und gesundheitsschädigend ist. Vor allem Frauen und Kinder atmen ständig diesen Rauch ein. Der Pyrolysekocher ist praktisch rauchfrei.
Wenn Sie nun auch der Auffassung sind, dieses Projekt verdiene es zum Fliegen zu kommen, würden wir uns über Ihre Unterstützung sehr freuen. Mit dem Crowdfunding-Ziel von 30‘000 CHF können erste Kocher in
Äthiopien hergestellt, Handwerker ausgebildet und die Kocher
verbreitet werden.
Mitfinanzieren können Sie dieses Projekt auf der Kaffakocher-Website, wo Sie auch viele weitere Informationen finden. Selbstverständlich können Sie aber auch "nur" Werbung machen und diese Projekt in Ihrem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis bekannt machen. Oder Sie machen beides.
Wir vom Kaffa-Wildkaffee-Team bedanken uns schon im voraus sehr herzlich für Ihre Unterstützung, egal welcher Art. Wir werden Sie an dieser Stelle, und natürlich auch speziell auf unseren Facebook-Seiten Kaffa Wildkaffee und Kaffakocher über die Fortschritte des Projektes auf dem Laufenden halten.
P.S.: Sind Sie eine nachhaltige Unternehmerin oder ein sozial engagierter Firmeninhaber? Wie wäre es, wenn Sie, anstelle der alljährlichen Kundengeschenke, Ihr Engagement mit einer Spende unterstreichen?
P.P.S.:Wie bei Crowdfunding-Projekten üblich gibt es auch bei Kaffakocher tolle Prämien als Gegenleistung für Ihre Spende, z.B. eine Postkarte direkt aus Äthiopien, ein Paket frisch gerösteter Kaffa-Wildkaffee oder ein Kaffa-Wildkaffee-Abonnement inklusive einem Pyrolysekocher-Znacht. Am besten schauen Sie doch ganz einfach selber nach.